In Alignment - Alexandertechnik
Die Macht der Gewohnheit
Gewohnheiten sind notwendig, denn ohne sie würde unser Leben unglaublich kompliziert, so kompliziert, dass wir nicht mehr funktionieren könnten. Nur schon aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen, wäre dann eine riesige Herausforderung, man müsste es wieder neu lernen, wie ein Kleinkind. Das Gehirn eines Kindes weist die grösste Plastizität aus, vieles ist noch undefiniert. Das was wir lernen und erleben entscheidet darüber wie sich unser Gehirn entwickelt, welche Verbindungen ausgebaut oder abgebaut werden. Ein Erwachsener hat viele Verbindungen verloren und seine Gewohnheiten sind zu klar definierten Pfaden im Gehirn geworden. Es ist wichtig, dass wir gewisse Abläufe automatisieren können und diese dann unbewusst ablaufen. Es wird aber zu einem Problem, wenn sich ungesunde Gewohnheiten etablieren. Wir tendieren auch dazu im Laufe des Lebens unsere Gewohnheiten weiter zu verstärken und andere Verbindungen abzubauen, was uns sehr unflexibel machen kann und uns körperlich und geistig massiv einschränken kann.
Neues zu lernen und auszuprobieren und sich Herauszufordern ist ein sehr wichtiger und nützlicher Aspekt um gesund, beweglich und mit offenem Geist alt zu werden. Dennoch ist es gar nicht so einfach uns entgegen unserer Gewohnheit zu verhalten. In der Alexandertechnik arbeiten wir sehr viel mit Bewegung und Haltung und die Arbeit mit geführten Bewegungen kann dem Klienten helfen, aus seiner Gewohnheit herauszukommen und so wieder viel mehr Bewegungsspielraum zu entwickeln.
Innehalten
Das Innehalten ist die Grundlage zur Änderung einer Gewohnheit. Der Körper folgt unbewusst dem Muster der Gewohnheit, das passiert reflexartig, man wird von seinen Gewohnheiten gesteuert. Daraus folgt, dass man die Gewohnheit nicht einfach so ablegen kann, aber man hat die Möglichkeit, wenn man merkt, dass eine Gewohnheit greift, zu stoppen. Das Inhibieren ist der erste Schritt zur Änderung einer Gewohnheit. Dazu braucht es Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, wann greift ein Muster? Und davon gibt es unzählige. Das Innehalten gibt mir die Möglichkeit mich bewusst zu entscheiden welche Richtung ich jetzt einschlagen möchte.
Fehlerhafte Sinneswahrnehmung
Gewohnheiten fühlen sich erst mal richtig an. Sie sind zu einem Teil von uns geworden, sie sind so gewohnt, dass sich sogar negative Gewohnheiten richtig anfühlen. Daraus folgt, dass sich 'richtig' nicht als 'wahr' entpuppt. Oftmals braucht es einen Input von Aussen, um mit der Gewohnheit in Kontakt zu kommen, dass man überhaupt erleben kann, was sie mit einem macht und wie sich das wirklich anfühlt. Es ist nötig die Gewohnheit bewusst wahrzunehmen und zu erleben um dann auch zu entscheiden will ich sie behalten oder nicht. Kann man seiner Sinneswahrnehmung nicht mehr einfach so trauen, weil man erlebt hat, dass sie auch täuschen kann, entsteht daraus eine ganz neue Situation. Daraus kann Wachsamkeit erfolgen, es lässt die Selbstreflexion erwachen, ein Prozess kann beginnen.
Ausrichten
Jetzt geht es darum, die natürliche Ausrichtung wieder zu finden. Dem Körper die natürliche Ausrichtung wieder zu erlauben. Der Körper reagiert auf alles was wir denken. Ausrichtung kann nicht 'gemacht' werden, aber sie kann angesprochen werden. Diese Ausrichtung ist von Natur aus vorhanden, sie kann aber durch Fehlhaltungen überdeckt werden. Diese Fehlhaltungen können durch das ansprechen der Richtungen abgebaut werden, bis die natürliche Ausrichtig wieder in Kraft treten kann. Dabei gibt es ganz viel zu entdecken, es geht sehr sehr tief, es gibt sehr viel zu erfahren, bis ins Detail und bis ins Ganze.
Primärsteuerung
Die Primärsteuerung betrifft die Verbindung von Kopf und Wirbelsäule. Die Art wie der Kopf auf der Wirbelsäule organisiert ist, bestimmt das Bewegungsmuster des restlichen Körpers. Und umgekehrt bestimmt das Bewegungsmuster wie der Kopf organisiert ist. Nur wenn der Kopf frei auf der Wirbelsäule balancieren kann, kann auch der restliche Körper losgelassen werden und nur wenn der restliche Körper losgelassen werden kann, kann der Kopf frei auf der Wirbelsäule balancieren. Diese Primärsteuerung wieder zu aktivieren ist Grundlage der Alexandertechnik. Kann die Primärsteuerung aktiviert werden, wird jede Bewegung vom Kopf aus gesteuert und der restliche Körper folgt dieser Bewegung in einer natürlichen Losgelassenheit.
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